Buchvorstellung: Grand Hotel Europa

Buchcover: Grand Hotel Europa

Der nasskalte und trübe rheinländische Winter lässt sich doch immer noch am besten mit einer gepflegten Lektüre ertragen. Wer dies ähnlich sieht und Interesse an einer Leseempfehlung hat, für den habe ich mit dem Buch "Grand Hotel Europa" des Niederländers Ilja Leonard Pfeijffer meinen ersten Buchtipp des neuen Jahres im Angebot.

Welche Art Buch ist das "Grand Hotel Europa"?

Der Roman "Grand Hotel Europa" ist laut Verlagsangabe "eine Hommage an einen heißgeliebten Kontinent". Und in der Tat: die Liebe des Autors für Europa und seine Sorge um die Zukunft des Kontinents sind auf jeder einzelnen Seite des Buches zu spüren. Der Autor schafft es auf grandiose Weise, den Leser gleichzeitig auf humorvolle Weise zu unterhalten, weiterzubilden und - zumindest wenn es europäische Leser sind - nachhaltig zu deprimieren. Um es mit dem berühmten Satz aus der Sendung mit der Maus zu sagen: "Klingt komisch? Ist aber so...!"

Und worum geht's jetzt konkret?

Vordergründig geht es um einen Schriftsteller, der für einige Zeit in einem altehrwürdigen Hotel namens "Grand Hotel Europa" wohnt, um sich nach der Trennung von seiner Lebensgefährtin ein wenig zu sammeln. In diesem Hotel trifft er dabei auf viele weitere Menschen (Angestellte und Gäste), die alle ihre ganz eigenen Geschichten und charakterlichen "Macken" haben. Insoweit erinnert diese Ebene des Romans vermutlich nicht zufällig an den "Zauberberg" von Thomas Mann. Tatsächlich aber ist das "Grand Hotel Europa" eine Metapher für unseren Kontinent. Und vor diesem Hintergrund regen dann die Ausführungen z.B. über die Gäste des Hotels, die Beschreibung des Zerfalls des Rosengartens des Hotels und die Umgestaltungspläne des neuen chinesischen Besitzers des Hotels zum Nachdenken an, was hier eigentlich erzählt wird. Die Kernbotschaft, die unzählige Male transportiert wird, lautet stets: "Europa hat eine überaus reiche Vergangenheit. Aber leider keine Zukunft!" Das ist der deprimierende Part des Buches.

Zugleich ist das Buch aber auch eine absolut schonungslose Abrechnung mit dem Massentourismus, wie wir ihn bis Anfang 2020 noch erlebt haben. Ob überlaufende Hotspots (hier wird als Beispiel häufig Venedig zitiert) oder die stets alberne, mitunter aber auch gefährliche Jagd auf das beste Selfie, ob Souvernir-Ramsch, ahnungslose Kunst-Banausen im Museum oder völlig unangemessene Kleidung in der Stadt: hier bekommt jede Facette des Massentourismus "ihr Fett weg". Und das durchaus amüsant und humorvoll.

Auf einer dritten Ebene ist das Buch aber auch sehr lehrreich: es beschreibt die gesamte Kulturgeschichte Europas und macht immer wieder neugierig darauf, sich über das ein oder andere Gemälde, historische bzw. geschichtsträchtige Gebäude oder literarische Werk nochmals genauer zu informieren.

Und das ist unterhaltsam?

Definitiv, ja! Wann immer das Thema Tourismus aufkommt, verfällt der Autor in einen ironisch-sarkastischen Unterton. Manchmal erkennt man diesen allerdings erst im zweiten Anlauf. Und natürlich fühlt man sich auch ertappt, denn wer war noch nicht selber irgendwo auf der Welt schon selbst einmal einer jener Touristen, die hier permament durch den Kakao gezogen werden?

Und lehrreich ist es natürlich auch, während der Lektüre vieles über die Geschichte und die Kultur Europas zu erfahren, das in der Schule irgendwie nie auf dem Lehrplan stand oder damals so gar nicht interessiert hat.

Mir hat das Buch auf jeden Fall von der ersten bis zur letzten Seite sehr viel Spaß beim Lesen gemacht!

Und die Schattenseite(n) des Buches?

Ja, solche gibt es auch! Ich sollte hier nicht verschweigen, dass es eine Handvoll Stellen gibt, die sich der Autor hätte sparen können. Das sind die - nunja - sehr detailreichen Schilderungen seiner amourösen Abenteuer. Diese Stellen lesen sich eher wie ein Porno-Roman und tragen entweder gar nichts oder nur sehr wenig zur Handlung bei. Ich finde, sie machen den ansonsten gehobenen Stil der Erzählung kaputt - fast so, als würde man nach einer Stunde ARTE mal kurz auf RTL II schalten. Wer sich daran stört, kann diese Stellen aber auch einfach überblättern: es sind nicht viele, und wie gesagt: zur Handlung tragen sie nur an einer Stelle bei - und dort auch nur marginal.

Mein Fazit

Alles in allem kann und möchte ich das Grand Hotel Europa jedem, der einen Sinn für Ironie und ein Interesse an der europäischen Kultur hat, wärmstens empfehlen.

Die Eckdaten zum Buch

Grand Hotel Europa
von Ilja Leonard Pfeijffer
Verlag: Piper
ISBN 978-3492070119 (gebundene Ausgabe) oder 978-3492318587 (Taschenbuch)
Link: Das Buch bei Amazon

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